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Athen-Ikaria-Samos 2019

Chrisi1976

1976

Schulferien! Mit 23, wie das geht ? Ich hatte die Aufnahmeprüfung für die Technikerschule in Karlsruhe bestanden und da gibt es halt auch die sechs Wochen Sommerferien. Dank Bafög  stand einem langen Urlaubstrip nichts im Weg. Wir fuhren  „Kastels“ (er war Hockeytorhüter) roten Golf Richtung Süden, Griechenland war schwer angesagt, Freiheit , Frauen, Sonne, Meer…. die Jugend Europas vereinigte sich an Griechenlands Stränden, da wollten wir dabei sein.

Über den berüchtigten Autoput führte uns die Reise nach Athen, genauer gesagt nach Piräus!

Das Auto blieb zurück, mit Rucksack und Zelt ging es auf die nächste Fähre nach Kreta.

Wir verbrachten nicht als einzige die Nacht auf Deck, bemerkenswert viele Holländerinnen hatten das gleiche Ziel. Die Nacht war kurz, aber schön, wie aufgeschlossen diese modernen Frauen waren. Es sollte ein unvergesslicher Urlaub werden, die Tage und Nächte an den Stränden Kretas zeigten uns: Europa hatte keine Grenzen. 

2019

So, nun will ich’s noch mal wissen, gibt es das Griechenland meiner Jugend noch?

Ich werde mit Ina nach Griechenland, genauer gesagt nach Ikaria reisen. Diese Insel in der Nähe der Türkischen Küste ist mangels großer Traumstrände noch nicht von den „all inclusive“ Reisenden vereinnahmt worden. Ein weiteres Plus, sie ist eine „Blue Zone“, d.h. da werden die Menschen überdurchnittlich alt! Ob’s für uns was nützt, wird sich zeigen!

Wir werden ab Frankfurt nach Athen fliegen und dort auf den Spuren, nicht der Griechen, sondern meiner folgen. Was sich wohl seit der Olympiade 2004 verändert hat? Wir werden auf die Fährfahrt verzichten und fliegen nach zwei Tagen Athen nach Ikaria.


Tag 1 Bühl-Frankfurt-Athen

Wir haben mal wieder den richtigen Flug erwischt, müssen zwei Uhr nachts das warme Bett verlassen und über die vom Starkregen geflutete Autobahn jagen. Unsere Maschine wird um 7.05 Uhr abheben und sie wird nicht auf verschlafene Eisentäler warten. Dieses Mal haben wir die Variante Anfahrt mit dem eigenen Auto gewählt. Bei www.travel-parking.de kosten die knapp drei Wochen 98,10€. Da kann man den etwas schrulligen Parkwächter hinnehmen, der uns pünktlich zum Airport bringt. Ups, hier am Terminal 1 fliegen keine Ryanair Maschinen ab! Wir jagen über die weiten Gänge des Flughafens Richtung Bustransfer  zum Terminal 2. Jetzt haben wir es doch geschafft, dass es noch ein bisschen eng wird. Es wird sich im Verlauf der Reise zeigen, dass es noch viel viel enger werden kann. Doch davon später. Wir müssen zum Unmut von Ina auf einen Morgenkaffee verzichten und verbringen die nächsten drei Stunden Flug hungrig und durstig auf Sitzen, die so hart sind wie Kirchenbänke.

Athen empfängt uns warm und sonnig. Am Automaten ziehen wir ein 72 Stunden ÖVN Ticket zu 22€ das Stück. Das war schlau gedacht, denn die einfache Tour Airport zum  Zentrum kostet 10€. Also noch ein bisschen in der Stadt hin und her fahren= Schnäppchen gemacht! Es sollte anders kommen. Als geübte Reisende finden wir schnell unser Hotel Marble House. Wir checken ein und holen uns vom Rezeptionisten den ersten Restaurant Tipp. 

Das war gleich ein Volltreffer, sehr leckeres Essen im Dio Dekares i Oka. Akropolis und Plaka sind ca. 10 min zu Fuß entfernt. Noch besser, in der Nähe des Hotels gibt es eine große Auswahl an Tavernen mit super leckerem Essen.

 

Die meisten Athenbesucher lassen sich in der Plaka abfüttern, so sind wir in den gut besuchten Restaurants allein unter Griechen. Am Abend bewundern wir mit vielen Anderen den Sonnenuntergang auf dem Akropolishügel.


Tag 2 Athen

Wir machen was alle tun, wir besuchen die Akropolis, Eintritt 20€ ,für mich Rentner gibt es 50%  Ermäßigung. Trotzdem ganz schön teuer, zu sehen gibt es große Herden Besucher und viele Steine. Wir folgen dem Massenauftrieb und umrunden die Säulen.

Man sieht ja vor lauter Menschen die Säulen nicht!

  

Bei den Restauratoren sind offensichtlich auch Dentisten angestellt

Danach bekommt Ina ihre Kaffeeration, das macht sie einfach verträglicher. Es folgt eine Fleisch-und Fischbeschau im Zentralmarkt, hier ist noch das alte Athen zu spüren.

Es reihen sich eine Vielzahl von Verkaufsständen aneinander. Das kaum genutzte Parathineiko Marathonstadion bildet den Abschluss unseres Rundgangs ,anschließend fallen wir auf unser Bett, Marathon macht halt müde.

Die Asiaten posen und…

die Alten rollern nun auch schon!

Am Abend noch einmal essen bei den Einheimischen.


Tag 3 Athen wie der Traum von Ikaria zerplatzte und wie wir ihn wieder einfingen

Heute geht es, besser gesagt, fliegen wir nach Ikaria. Am Anfang läuft alles nach Plan: Frühstücken, Auschecken, rein in die Metro. Hier erleben wir die  morgendliche Rusch Hour einer Großstadt, in Athen leben 50% der griechischen Bevölkerung. Wir haben Mühe, mit unseren Koffern in den überfüllten Waggon zu kommen, mit viel Körpereinsatz ergattern wir einen Platz an der Tür. Geschafft, wir kommen Ikaria ein bisschen näher, da der erste Schock! Inas Rucksack steht offen. Es fehlt offenbar nichts. Ich mache ihn zu, noch einmal Glück gehabt, bei uns  wird aufgepasst! Von wegen, beim Aussteigen bemerke ich, mein Geldbeutel ist weg. Dabei habe ich ihn noch zur Sicherheit in die vordere Tasche gesteckt.

Mir rutscht das Herz in den untersten Teil der Hose und nimmt den Platz der verschwundenen Geldbörse ein……… Alles weg: Geld, Ausweis, Führerschein, Kreditkarten, Rentenausweis (HAHA). Bums, alles geplatzt, ohne Ausweis kein Flug, Schluchz, nix Ikaria!!!!!!!!! Was tun?? Der erste Polizist weist uns gelassen den Weg zur Touristenpolizei. Erkläre mal einem unter Schock stehenden den Weg durch eine fremde Stadt, wohin jetzt ? Wir haben keinen Plan. Auf der Straße fragen wir uns durch, leider kennt kaum ein Athener die Lage der Touristenpolizei.

Die  Uhr tickt unbarmherzig.

Da, in einer Passage das Ziel unserer Panik. Der Polizist ist offensichtlich bestohlene, verwirrte Touristen gewöhnt, unser Leid perlt an ihm ab. Es gibt nur kurze Kommandos: „Kreditkarten gesperrt?“ „Nein?“ „Dann aber zackig!“ „Das Formular ausfüllen!“

Nach dem Ausfüllen, das letzte Kommando „ go to German Embassy!“

Die Uhr tickt…….

Wir fahren natürlich in die  falsche Richtung. Eines wird uns klar, der Flug ist weg.

Google hilft, wir finden den Weg zur Botschaft. Uns öffnet ein entspannter, des Deutschen mächtigen Sicherheitsbeamter. Nach einem kurzen Sicherheitscheck empfängt uns eine nette Dame und erklärt uns, ein Ersatzpass geht mit einer Kopie des Ausweises schnell, ohne, na ja. Trotz Schockstarre fällt mir ein, hatte ich als Sicherheitsfanatiker nicht vor dem Kubaurlaub ein Foto von unseren Reisepässen gemacht? Smartphone und Laptops sind in Sicherheitsverwahrung,  beim „Entspannten“

Die Uhr tickt noch immer……

Ich suche im Laptop, ich suche im iPhone …. da endlich finde ich die  Reisepasskopie.

Schnell per mail an die“Nette“. Was ich nun noch brauche, ist ein Passfoto, das bekommen wir zwei Straßen weiter.

  ticktack   ticktack  ticktack  ticktack  ticktack  ticktack  ticktack

Wieder rein in die Botschaft, beamtenuntypisch halte ich nach kurzer Zeit einen Ersatz-Reispass in Händen.

Wir stürzen aus der Botschaft und vor das nächste Taxi.

  ticktack  ticktack  ticktack  ticktack

Wir haben Glück und treffen auf Athen-Schumi. Er versteht sofort unser Problem und beruhigt uns, es könnte knapp reichen. Für die 38km brauche er ca. 40min das, Check in schließt in 42min

das passt. Der Airport rückt näher, die Uhr tickt langsamer, wir schaffen es, oder? Wir erreichen das Terminal, Tschüss Athen. Die 50€ hat sich Athen-Schumi verdient, schnelles Fahren und Zuspruch, ach wir lieben sie, die Griechen.

Turbo Einchecken, beim Sicherheitscheck durchgedrängt, wir haben es tatsächlich geschafft.

Das Gate ist noch nicht offen. Yes ,Ikaria wir kommen! Heute Abend gibt es eine blaue Zone, keine „blue Zone“. Oh, wir sitzen verkehrt herum und schauen auf zwei missmutige Bayerngesichter. Das haben wir gerade noch gebraucht. Ich schiele neidisch auf den fülligen Oberlippenbart der Frau und ich befürchte meiner würde nicht so dicht. Die Stewardesse erbarmt sich, wir dürfen die Sitze wechseln. Der Spaß kehrt zurück!

Was haben wir gelernt:

  • In der Metro den Rucksack auf den Bach schnallen!
  • Den Geldbeutel niemals in der Hosentasche, egal ob vorne oder hinten
  • die Papiere verteilen, nicht alles am selben Ort aufbewahren
  • Kopien mitführen auf dem Handy, Cloud oder in Papierform
  • sicher sind Bauchtaschen, da kommen die Langfinger nicht so einfach hin
  • nach Möglichkeit überfüllte Verkehrsmittel meiden

Ist es dann doch passiert, möglichst rasch die Karten sperren. Es geht nach meiner aktuellen Erfahrung am schnellsten, wenn man die Kartennummern hat. (Was natürlich etwas blöd ist, wer tätowiert sich schon Kreditkartennummern aufs Handgelenk?) Ein aktuelles Passfoto ist auch nützlich.

Polen Mai 2018 Oberschlesien

Prolog

Die erste Granate traf die Friedhofskapelle voll, sie durchschlug das Dach und explodierte im Innenraum. Die Explosion legte die Kapelle in Schutt und Asche. Es gab für das natiolsozialistische Deutschland keinen Endsieg, nur Zerstörung……
Oberschlesien, 19.Januar 1945.
Die Winteroffensive der russischen Armee hat begonnen.
Im Pfarrhaus der Gemeinde Annaberg klirrten durch die Explosion die Fensterscheiben. Die Russen waren da!!! Dies war der Startschuss für die lange Flucht von Ruth und ihrer Freundin. Die jungen Frauen hatten in der Telefonvermittlung der Wehrmacht gearbeitet und die Furcht vor den Russen trieb sie wie viele andere auf eine Flucht mit ungewissem Ausgang. Im Gepäck hatte Ruth den Familienschmuck und die Anschrift eines Fernmelde-Soldaten, mit dem sie in der Gleiwitzer Telefonvermittlung gearbeitet hatte.
Meine Mutter erreichte Karlsruhe, die Heimatstadt meines Vaters, der Familienschmuck nicht. Die Frauen hatten auf ihrer Flucht vor der nachrückenden russischen Armee den Schmuck auf einem Acker vergraben. Er wurde wohl eine kleine Aufbauhilfe für die Deutsche Demokratische Republik………..

Prag, Juni 1958
Ich bin inzwischen schon (fast) fünf Jahre alt, meine Mutter und ich übernachten nach langer Zugfahrt im Bahnhofshotel Prag. Morgen werden wir in Annaberg in Polen ankommen. „Onkel Fritz“ der Dorfpfarrer erwartet uns. Es wird für meine Mutter der letzte Besuch der Heimat. An Vieles erinnere ich mich nicht, da war mein 5. Geburtstag, an dem ich eine riesige Buttertorte bekam, sie aber wegen einer Magenverstimmung nicht essen konnte. Und, große Bühne mein erster und einziger Auftritt als Messdiener!

Nach dem „Schatz“ suchten wir nicht. Mutter hatte ihr VolksPhone vergessen und ich war mit dem Umarmen polnischer Eimer und Kloschüsseln beschäftigt.

Eisental, Mai 2018
Genau 60 Jahre nach meinem letzen Besuch in Polen werden wir die Heimat meiner Mutter nochmal besuchen. Den Schmuck werden wir auch dieses Mal nicht suchen, sondern die Schönheiten Polens ansteuern. Nach dem Besuch Oberschlesiens werden wir die Masurische Seenplatte entlang fahren. Wenn es zeitlich reicht, stecken wir den großen Zeh auch noch in die kalte Ostsee.
Wow, mit ist gelungen das 75 Jahre alte VolksPhone zu aktivieren. Ja, es stimmt, es läuft und läuft und läuft. Jetzt muss ich nur noch die Schatzkoordinaten aus dem „ was geht“ Programm auslesen. Die hat meine schlaue Mutter damals gespeichert. Schatzsuche leicht gemacht! ……………….. HaHa! Scherz für die Jungen, damals gab es Volksempfänger und Volkswagen aber kein VolksPhone. Also immer schön aufpassen beim Lesen! Lügen Presse.

Polenreise 2018

17.Mai Tag 1

So, wir haben gepackt, Luigi nagelt erwartungsvoll vor sich hin, die Reise kann los gehen.
Das Einzige, das uns ausbremst, sind die vielen Baustellen. Sie reihen sich wie eine Perlenkette an unserer Route entlang. Wir beginnen mit dem Entschleunigen!
Unser erstes Ziel liegt noch in Deutschland, Saalburg in Thüringen. Der Campingplatz im Ortsteil Kloster hat seinen „Ossi“ Charme nicht ganz verloren, keine Parzellen, Feuerschale und Alt-Ost-„Rocker“. Sie beglücken uns lautstark mit 70er Jahre Musik. Im Restaurant „Kranich“ gibt es lecker Köstritzer, zwei davon wirken besser als jedes Schlafmittel. Satt und durch die Bierchen in Watte gepackt schlafen wir gut und träumen von Head- Bang und wilden Zeiten.

18.Mai Tag 2
Schnell gepackt, Polen wartet. Baustelle, Baustelle……. Daß wir in Polen sind, merken wir an dem Fehlen dieser Hindernisse. Jetzt sind es die vielen LKW’s, die auf der engen zweispurigen Autobahn einen auf Perlenkette machen. Bis kurz vor Breslau rollen wir Stoßstange an Stoßstange. Die Autobahn nach Breslau kostet Zloty, deswegen wird sie weniger befahren. Immer noch keine einzige Baustelle, die ganzen polnischen Straßenbau-Arbeiter sind wohl auf den deutschen Straßen beschäftigt. Flott nähern wir uns der ersten Station in Polen, St. Annaberg. Noch 30 km, da geht es wieder los, Bremslichter vor und neben uns, wir haben den ersten polnischen Superstau, von wegen die arbeiten alle in Deutschland. Nein, sie verbuddeln schön brav die EU-Gelder auf ihren eigenen Straßen. Wir verlassen an der nächsten Ausfahrt den Stau und rollen über Landstraßen zum Heiligen Berg. Es gibt kurz vor dem Kloster einen kleinen Wohnmobil- Stellplatz mit Dusche, WC und Strom. Fünfzig Meter weiter wartet das Alba Hotel mit Restaurant.
Wir bestellen schlesisches Essen: Hirschroulade mit Knödeln und Schweinelende mit Pilzsoße. Sehr gut. Mit Getränken bezahlen wir 120 Zloty= 30€. Erste Nacht in Mamas Heimat.

19.Mai Tag 3


Nebel liegt über dem Annaberg , kalter Wind und kalte Dusche. Wenn das so weitergeht gibt es die ersten Minuspunkte! Vor dem Frühstück zahlen wir bei dem netten, deutsch sprechenden Stellplatzvermieter ,10€ für die Nacht! Ich streiche im Geiste die Minuspunkte. Das Alba hat noch zu, also geht es mit leerem Magen zum Amphitheater . Ein Propaganda „Thingplatz“ der Nazis. Passend dazu das Wetter, alles Grau in Grau .


Das Alba rettet uns vor dem Hungerast, zum deftigen Frühstück bekommen wir einen Teepunch, das Glas ist gefüllt mit heißem Wasser, Trockenobst und Tee.

Gestärkt besuchen wir das von den Polen so verehrte Kloster mit der Hl. Anna, geschnitzt aus Lindenholz. Die Kirche ist wegen eines Gottesdienstes überfüllt mit Knieenden.

Wir haben es nicht so mit Kirchen. Bevor es richtig voll wird, rollen wir Luigi von den Keilen und fahren nach Oppeln (Opole).

Dort nehmen wir einen unbewachten Parkplatz, inzwischen vertrauen wir den Polen! Wir sind beeindruckt, eine schöne Altstadt. Und, man glaubt es nicht, die machen ein Stadtfest wegen uns, die feiern die Rückkehr eines verlorenen Sohnes. Wir wollen die Stadt von oben sehen, doch vor dem Stadtturm stehen Schlangen. Mist!

Hilfe bietet die Tourist-Information: ein anwesender Türmer (Guide) des Piaster-Turmes bietet uns den Stadtblick von seinem Turm, wir werden es nicht bereuen. Nebenbei nimmt er mir die Heimkehrer-Illusion, es ist das jährliche Fest, nix verlorener Sohn.
Der Piaster-Turm, befindet sich etwas in Schieflage (2-3 Grad), da war wohl beim Bau die Wasserwaage verzogen.

Der Turm wurde übrigens mit einer perfekten Multivision ausgestattet, leider auf polnisch. Es war trotzdem beeindruckend und die Aussicht vom Turm, klasse. Der nette Führer sprach ein wenig Deutsch und hat uns das Nötigste erläutert. Die können auch ohne uns feiern, wir fahren nach Kattowitz.

Es empfängt uns eine Zechenstadt, die Häuser der Vororte bröckeln vor sich hin. Der liegt an einem See in der Nähe des Stadtkerns. Wir sind zufrieden mit unserer Wahl, schöne Stellplätze, saubere Sanitäranlagen und ein gutes Restaurant. Morgen besuchen wir Nikiszowiec  eine Arbeitersiedlung.

20.Mai Tag 4 /Kattowitz

20.Mai Tag 4
Es ist Sonntag, Luigi hat frei, wir joggen um die Seen, warm up für die Radtour.  Die 12 km nach Nikiszowiec sind ein Katzensprung. Die Arbeitersiedlung aus dem frühen 20.Jahrhundert ist ein UNESCO Weltkulturerbe, nicht ein lebloses Museum, sondern genutzter Wohnraum. Wir radeln durch die schmalen Straßen mit den roten Backsteinhäusern, die rechteckigen Häuserblöcke umschließen begrünte Innenhöfe. Eine gewaltige Backsteinkirche bildet den Mittelpunkt der Siedlung.

Das Fahrradnavi entwickelt ein kreatives Eigenleben und leitet uns über Bahngleise und einem sehr schmalen Trail (auch Waldpfad genannt) zurück nach Kattowitz.

Heute gibt es die volle Kultur-Dröhnung, wir besuchen das Schlesische Museeum. Es befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Zeche. Die Ausstellungsräume befinden sich unter der Oberfläche. In der ersten Etage sind zeitgenössische schlesische Kunstwerke ausgestellt. In der zweiten ziehen die Polen alle Multivisionsregister und führen uns durch die Geschichte Schlesiens. Anschließend lassen wir uns auf dem Förderturm die Kultur aus den Köpfen wehen.

Die Innenstadt von Kattowitz kann mit Oppeln bei Weitem nicht mithalten, enttäuschend! Wir radeln zu unserem Bootsclub- Kiosk und schauen noch ein bisschen auf den See. Morgen fahren wir in die polnische Wüste!

21.Mai Tag 5/Wüste/Krakau

21.Mai Tag 5

Der See und Kattowitz bleiben zurück, die Vergangenheit ist für mich abgehakt, ich bin ein bisschen mehr geerdet, jetzt habe ich ein Bild von Mutters Heimat.
Auf dem Weg zur Wüste, nein, kein Fake, es gibt in Polen wirklich eine riesige Sandwüste, besuchen wir in Bedzin eine Trutzburg. Die ist montags leider geschlossen. Die Bledow-Wüste ist ein 9 km langes und 3-4 km breites sandiges Gebiet zwischen Bledow und Kulcze. Es war durch seine Beschaffenheit schon immer eine militärische Spielwiese. Die schlecht beschilderte Zufahrt hätten wir fast verpasst.


Krakau, der Campingplatz Adam, direkt an der Weichsel gelegen, gleicht eher einem Stellplatz für Wohnmobile. Durch die Nähe zum Stadtkern ist er für uns alternativlos. Wir schwingen uns auf die Räder und fahren zum Abendessen in die Stadt. Der Radweg am Fluss entlang führt direkt auf den Burgberg Wawel zu, das hat sich schon mal gelohnt. Der Hauptmarkt Rynek Glowny bildet das Herz Krakaus, grandios und doch völlig überlaufen.

Wir flüchten in das jüdische Viertel Kazimierz und im Starka gibt es noch einen Tisch für uns. Das Essen, natürlich polnisch, vom Feinsten: Lammkoteletts mit schwarzer Johannisbeersoße, dazu Rote Beete und Kartoffeln. Die können kochen, die Polen. Unsere polnischen Wortfetzen werden mit einem Lächeln verstanden.
Noch ein Blick auf die abendliche Burg und dann gute Nacht.

22.Mai Tag 6/Krakau

22.Mai Tag 6

Wir erklimmen mit unzähligen Schulklassen den Burgberg Wawel, die Eintrittskarten sind ausverkauft, wen wundert’s. Ich danke im Stillen der Vorsehung, wer möchte schon von so vielen uninteressierten Kindern eingerahmt alte Bilder betrachten. Wir begnügen uns mit einem Rundgang durch den Innenhof.

 

Der Reiseführer empfiehlt eine Umrundung des Stadtkerns, das machen wir. Teil 3 Krakau : das jüdische Viertel Kazimierz, der Besuch einer Synagoge und ein Spaziergang durch die Gassen.


Wir nehmen eine Cola im Singer Club, aufgepasst nicht Swinger! Fast alle Tische sind stillgelegte Singer Nähmaschinen, witzig und stimmungsvoll.

Der Besuch von Schindlers Fabrik endet wie gehabt, Tickets ausverkauft.
Im grünen Gürtel, der die Altstadt umschließt, finden wir mit dem Bunker Café eine Kneipe, die mit antiken Tischen und Einheimischen bestückt ist. Die Krakauer sind, wie alle Polen, die wir bisher getroffen haben, sehr nett und weltoffen, halt Europäer, das Volk lebt das, was die Politik nicht hinbekommt! Sie nehmen, im Gegensatz zu Deutschland, z.B. auf Fußgänger und Radfahrer Rücksicht und halten schon mal an, um dich vorzulassen.
Wir fahren früh zurück, morgen geht’s nach Norden, Masuren wartet.

23.Mai Tag 7/ Reisetag-Dywity

23.Mai Tag 7

Heute ist ein Reisetag, alles ganz einfach, 530 km fahren, rauf auf den Campingplatz, Stühle raus, Bier auf, Füße für ein, zwei Tage hoch, super. Es ist der siebte Tag (gell Thomas), es sollte anders kommen.
520 km läuft alles prima, Schnellstraßen und Autobahnen Tip-top. Jetzt wird das Navi wieder kreativ:
7 km Sandpiste bis zum Campingplatz !!! Nein, nein, nicht mit Luigi, Sandwege fahren wir nicht never, niemals!! Wir nehmen die Alternativroute, die uns das tückische Navigationsteil vorschlägt. Die idyllische Allee schlängelt sich durch den masurischen Birkenwald, ohne Gegenverkehr traumhaft. Wir nähern uns dem Ziel, rechts eine Fischzucht, hurra, wir werden heute Abend frische Forelle essen. Nach 400m das Hinweisschild zum Camp, Ina biegt ab und …… wir stehen vor einer maroden vernagelten Hütte, die Rezeption vom letzen Jahrhundert. Ein verängstigtes Rehlein hüpft davon, kein Camping, keine Forelle, kein Feierabend. In Polen ist das mobile Internet bestens ausgebaut, nur hier nicht. Nach ein paar Kilometern in Richtung Zivilisation arbeitet es wieder und bietet uns Alternativen, yes Baby nur wenige Kilometer, zum nächsten Superplatz „Camping Ukiel“ mit Seeblick und Stadtnähe. Wir biegen von der Hauptstraße ab noch 2 km und…….. Sandpiste!
Scheiß auf mein Verspechen, Luigi kann auch Sandpiste. Wir erreichen Einöde zwei, hier ist nichts, kein Mensch, Sanitäranlagen ein Witz, keine Stadtnähe, nicht einmal Rehe. Ich bekomme eine Fotografier-Blockade, keine Beweisfotos. Das gelbe „Der ADAC empfiehlt“ Schild entschwindet im Rückspiegel. Fake Internet. Darum haben die polnischen Kirchen so viele Beichtstühle! Wir nehmen’s immer noch lustig, da gibt es ja noch einen weiteren Platz in der Nähe, „Pirat“ heißt er. Egal, Hauptsache keine Sandpiste und vielleicht gibt es da ein kaltes Bier. Der Pirat ist eher eine Kneipe mit Parkplatz. Da steht schon ein Wohnmobil mit dt. Kennzeichen, davor sitzt ein junges Pärchen, man spürt gleich, die haben hier das Alleinstellungs-Merkmall. Sie würdigen uns keines Blickes, nippen an ihrem Rose und lesen. Ok, sie müssen uns ja nicht gleich um den Hals fallen, aber auf ein Gläschen? Nein, das wird nichts mit uns, in Polen trinkt man Bier und Wodka, keine Franzosen – Plörre. Die Poleneuphorie hat heute schon einige Dellen bekommen. Die letzte Chance 173 Camping Herkus in Dywity https://masuren-camping-polen.de. Natürlich 2,5 km Sandpiste, Stresstest für Wohnmobile: Querrillen,Schlaglöcher, Matsch, Sandlöcher. Test bestanden, die Einbauten haben sich nicht von der Hülle getrennt.

Wir sind erstaunt, mitten in der Pampa ein gut besuchter, aber spartanischer Campingplatz, kein Bier , kein Essen. Eine französische Rentnertruppe füllt den Platz, ist das eine Reisesekte? Nein, sagt Ina, Sekten reisen nicht! Wir kehren halt bei Luigi ein, kaltes Bier warmes Essen.

24.Mai Tag 8 Mragowo/ Sensburg

24.Mai Tag 8 Mragowo/ Sensburg

8 Uhr, die Franzosen reisen lautstark ab. Nach ihrer Abfahrt kehrt der Normalzustand ein, Ruhe. Mit genügend Proviant versorgt, kann man hier der Natur näher kommen. Mit einem Kajak lässt sich der mäanderder Fluss erkunden, Boote gibt es beim Campingplatzbesitzer. Unsere Vorräte sind aufgebraucht, wir müssen zurück zu Supermarkt und Tankstelle. Wir gehen es gemütlich an, das nächste Ziel ist nicht weit, wir fahren nach Mragowo/ Sensburg( https://de.wikipedia.org/wiki/Mr%C4%85gowo). Der Campinglatz Nr. 3 Cesar liegt auf einem Hügel, direkt am See Jezioro Czos. Als wir eintreffen, ist er menschenleer, nach zweimal rauf und runter erbarmt sich der Gärtner, wir dürfen bleiben. Freie Platzwahl!

Wir legen die Füße hoch und genießen den Ausblick. Das Abendessen wird wieder zum Highlight, wir essen im Ratuszowa (http://ratuszowa.com.pl/), für alle: unbedingt besuchen.

25. Mai Tag 9 Mragowo/ Sensburg

25. Mai Tag 9 Mragowo/ Sensburg

Heute wird mal wieder gejoggt! Wir nehmen den Radweg, er führt uns den See entlang, dann in ein Waldstück, danach geht es weiter über einen zerfurchten Feldweg. Schon beim ersten Stop überfallen uns ganze Wolken von Moskitos. Welch ein Freudenfest für diese lästigen Blutsauger, zwei Blutbanken auf Beinen! Anfängerfehler: kein Mückenspray!!!!! Es hilft nur eines, immer in Bewegung bleiben.

Nach 8 km gib es kein weiterkommen mehr, Militärgelände! Auch nach zähem Verhandeln kein Durchlass! Also traben wir zurück und nehmen die nächste Straße links. Pffff, ächz, jetzt geht es auch noch bergauf. Auf der letzten Rille erreichen wir die Hügelkuppe und wir glauben es nicht: wir stehen auf einem Skihang mit Lift ,Hütte und Schneekanonen. Unser Pech, es gibt nur eine Zufahrtsstraße, wir müssen zurück. Inzwischen erreichen die Plagegeister unsere immer langsamere Reisegeschwindigkeit, wir wedeln mit den Armen und erhöhen das Tempo. So verdienen wir uns die Liegen und noch einmal Ratuszowa! Wir sind immer noch alleine!

26. Mai Tag 10 Lötzen (Giżycko)

 

26. Mai Tag 10 Lötzen (Giżycko)
Regen klopft aufs Dach, der Himmel wird heute nicht blau, wir fahren nach Lötzen (Giżycko) genauer gesagt nach Rydzewo, denn hier befindet sich der Campingplatz Echo (http://www.campingecho.pl/) an dem See Niegocin gelegen. Als wir ankommen verziehen sich die Regenwolken und wir können unbeschirmt essen gehen.